Direkt vor dem Berliner Futurium steht seit Frühling 2025 ein Waldgarten: Das Superland. Mit der lebendigen Kunstinstallation wird gezeigt, dass selbst auf versiegelten Flächen schattige Grünanlagen entstehen können. Wer schonmal da ist, kann sich im Futurium erklären lassen, was es mit dem permakulturen Waldgarten auf sich hat: Dank ihm könnte sich die Zukunft unserer Landwirtschaft positiv verändern.
Waldgarten und Permakultur bekommen eine prominente und spektakuläre Bühne, direkt vor dem eindrucksvollen Gebäude des Futurium in Berlin. Auf dicht versiegelter Fläche entstand dieses Jahr ein üppig sprießender Garten, der das Prinzip des Waldgartens veranschaulicht. In den fünf Schichten fehlen nur die echten Bäume. Stattdessen ragen meterhohe Holzkonstruktionen in die Höhe und spenden erholsamen Schatten, ganz ohne Kronendach.

Das lebendige Kunstprojekt inspiriert und macht nachdenklich: Was wäre damit alles möglich?
Urheber des Projektes ist Parzelle X – Büro für Landschaftsarchitektur und Naturpädagogik und der Künstler Benjamin Frick. Gemeinsam mit engagierten Permakultur-Enthusiasten unter anderem aus dem Peace of Land in Berlin haben sie ein Kunstwerk geschaffen, das jetzt im Sommer 2025 bestaunt werden kann.
Waldgarten in der Landwirtschaft
Als hochproduktives System könnten Waldgärten in Zukunft die Ernährungssicherheit erhöhen. Gepflanzt wird in Schichten, wie sie auch in Wäldern ganz natürlich wachsen. In einem Waldgarten ist alles essbar: Wurzel-Pflanzen wie Erdbeeren und Kartoffeln, Stauden in Form von Gemüsepflanzen, mittlere Beerensträucher, niedrige Obstbäume und letztlich hochwachsende Bäume für die Kronenschicht, beispielsweise Kastanie oder Walnuss, die sowohl Früchte als auch Holz liefern.
Ein solches System kombiniert Artenschutz mit einer Ernte für den Menschen. Darüber schreibe ich auch in meinem Roman „Die Systemwandler“.
Waldgarten in der Stadtarchitektur
Hier am Futurium ist das Superland eine Kunstinstallation. In den Straßen der Stadt könnte es eine Methode sein, um Schatten und Kühle zu spenden, Artenvielfalt zu fördern, Orte aufzuwerten und Treffpunkte für Menschen zu schaffen.
Ich stelle mir vor, wie die bepflanzten Holzverstrebungen als Trennung zwischen Fahrradweg und Straße dienen, welche hässliche Poller oder unsichere Fahrbahnmarkierungen ablösen. Ein Streifen von Grün, dazwischen Sitzgelegenheiten im Schatten. Ein schöner Traum, oder bald schon Realität?

Selbst diese Konstruktion ohne Laubdach spendete enorm viel Schatten an dem sehr heißen und sonnigen Tag im Juli, an dem ich das Superland besichtigte. Auch Bushaltestellen, Fußgängerampeln, Mittelstreifen oder andere Orte, an denen Menschen in praller Sonne warten müssen, könnten mit diesen Kunstobjekten aufgewertet werden.
Die integrierten Sitzmöbel ermöglichen das Ausruhen entlang von Straßen oder beim Warten auf die Grünphase an der Ampel. Die kunstvollen Elemente brächten Leben in die Stadtarchitektur, inmitten städtischer, aufgeheizter Infrastruktur, überall dort, wo das Pflanzen von Bäumen nicht möglich aber nötig wäre.
Anders als Sprühnebelanlagen, wie sie in einigen Städten zur Abkühlung an heißen Sommertagen eingesetzt werden1, würde ihre passive Kühlungsfunktion ohne künstliche Energiezufuhr funktionieren und mit weniger Wasser auskommen. Oben drauf gäbe es Schatten, beruhigende Grünflächen und, als Poller-Alternative, Sicherheit im Straßenverkehr.
Ein attraktives Aushängeschild für ein nachhaltiges Berlin ist diese schöne Installation allemal.
Futurium
Neben der temporären Waldgarten-Installation „Superland“ ist auch das Futurium einen Besuch wert. Eigentlich bin ich nur wegen des Kunstwerks vor der Tür zu dem imposanten Gebäude gefahren, doch wo ich schon mal da bin …
Auf zwei Etagen präsentiert sich eine erstaunliche Ausstellung zu den Bereichen Technik, Natur und Mensch. Dieses Jahr 2025 steht die Landwirtschaft im Fokus der Zukunftsvisionen: Wie werden wir in Zukunft essen? Auch andere Themen faszinieren mich: Woraus werden wir unsere Häuser bauen? Wie funktioniert eigentlich Kreislaufwirtschaft? Wie geht es weiter mit der Demokratie?
Kinder und Erwachsene können hier eine Menge ausprobieren, um Städte neu zu denken und sich die Zukunft auszumalen, die Vielseitigkeit natürlicher Rohstoffe zu entdecken oder an einer Kugelbahn die Kreislaufwirtschaft zu verstehen.

Das Futurium ist ein bunter, aufregender Abenteuerspielplatz, um Naturwissenschaft und soziale Teilhabe zu begreifen oder einfach nur zu staunen, was alles möglich ist in dieser schönen Welt.
Der Eintritt ins Futurium ist kostenlos.
Zeitlich begrenztes Superland
Während das Futurium ganzjährig geöffnet hat, wird das Superland wohl voraussichtlich im November 2025 wieder abgebaut. Also fahr schnell hin und lass dich begeistern! Jetzt im Spätsommer ist alles noch üppig grün und lädt zum Staunen ein.

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Adresse des Futuriums in Berlin: Alexanderufer 2, 10117 Berlin, direkt an der Spree, zwischen Hauptbahnhof und Reichstagsgebäude.
Webadresse zum Thema: https://futurium.de/zukunftsfelder
1 Sprühnebel gegen Hitze : https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/nebelduschen-sprueh-nebel-gegen-hitze-100.html