Die planetare Krise, darunter die Klimakrise, kann Angst, Überforderung und Hoffnungslosigkeit auslösen – besonders in Zeiten, in denen heftiger gesellschaftlicher Gegenwind bläst und Fortschritte zurückgerollt werden. Doch es gibt viele Wege, entschlossen ins Handeln zu kommen. In diesem Artikel findest du praktische Impulse, die dir helfen können, mit belastenden Gefühlen umzugehen, neue Zuversicht zu entwickeln und Schritt für Schritt zurück in die eigene Handlungsfähigkeit zu finden. Als Einladung, den eigenen Weg zu entdecken und ihn erfolgreich zu gehen, findest du hier Methoden gegen Angst und Ohnmacht.
1. Die Sorgen benennen
Häufig kreisen Gedanken und Sorgen immer um das Gleiche, und sind doch nicht greifbar.
Es kann helfen, die kreisenden Gedanken und Gefühle einzufangen und sie zu benennen.
Hilfreiche Reflexionsfragen:
- „Wovor habe ich konkret Angst? Was befürchte ich, könnte passieren?“
- „Welcher Gedanke kommt immer wieder und blockiert mich?“
- „Von welchem Gedanken wurde das negative Gefühl ursprünglich ausgelöst?“
Gefühle lassen sich schwer ändern. Gedanken jedoch lassen sich ändern. Sie sind meistens die Auslöser für (belastende) Gefühle.
Der Austausch in Gesprächsgruppen kann hilfreich sein, um zu erkennen, dass andere Menschen die eigenen Sorgen und Ängste teilen.
Möglichkeiten dazu gibt es in Klima-Cafés und Klima-Gesprächsrunden der Psychologists / Psychotherapists for Future e.V. (auch online).
Wenn es an deinem Ort noch keine Gesprächsrunden gibt, kannst du selbst einen Gesprächskreis gründen. Hilfestellung bietet die Klima-Treffs-Website der Psychologists / Psychotherapists for Future e.V.
2. Die Trauer zulassen
Es gehen bereits Landschaften, Ökosysteme, Tiere und Pflanzen verloren und auch Sicherheiten, Zukunftsträume und Freiheiten stehen unter Druck.
Das kann tiefe Trauer auslösen, die wir uns oft nicht eingestehen oder erlauben wollen.
Trauer wahrzunehmen und ihr Raum zu geben, ist in unserer Gesellschaft eher nicht verbreitet.
Wir drücken Trauer stattdessen weg, betäuben sie, lenken uns von ihr ab.
Dabei ist Trauer eine natürliche Reaktion und zeugt von großer Liebe zu dem, was betrauert wird.
Tiefenökologin Joanna Macy schreibt in ihrem Buch „Hoffnung durch Handeln“, dass unsere Fähigkeit zum „Mit-Leiden“ eine Art Rückkopplung des natürlichen Systems ist. Diese Fähigkeit ist wichtig für unser Überleben, denn sie dient uns als Kurskorrektur.
Eine tiefe Beschäftigung mit der Trauer bedeutet, die Rückmeldung des Systems nicht länger zu blockieren. Damit wird Energie freigesetzt, die in Handlung fließen kann.
Buch-Tipp: „Hoffnung durch Handeln“, Joanna Macy & Chris Johnstone.
Workshops zur Tiefenökologie nach Joanna Macy werden in Deutschland z.B. von Gabi Bott angeboten.
Zudem kann in den bereits vorgestellten Klima-Cafés der Psychologists / Psychotherapists for Future gemeinsam über Trauer gesprochen werden.
Nicht zu vergessen: Bei ausgeprägter Trauer, die dich in deinem Alltag einschränkt, kannst du therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Du findest Kontakt-Adressen auf der Website der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung.
3. Gefühle aufschreiben
Journaling ist eine schöne Methode, um kreisende Gedanken und schwierige Gefühle greifbarer zu machen.
Es gibt verschiedene Methoden des Journalings, aus denen du auswählen kannst:
- Stream of Consciousness (Bewusstseinsfluss) – freies Schreiben ohne groß nachzudenken, den Strom der Gedanken mitschreiben, ohne den Stift abzusetzen
- Dankbarkeitstagebuch – tägliche Routine morgens oder abends, positive Dinge aufschreiben, die dir begegnen und für die du dankbar bist (und seien sie noch so klein)
- Impuls-Journal – Hilfreiche Fragen oder Satzanfänge zum Einstieg wählen und diese entweder einmalig oder immer wiederkehrend (zeitlich begrenzt auf z.B. 5 Minuten) beantworten, wie z.B.:
- „Mich beschäftigt gerade am meisten, …“
- „Mir gibt Hoffnung, …“
- „Ich lasse … los, weil es nicht in meinem Einflussbereich liegt“
- „Wo habe ich in den letzten Tagen Verbundenheit erlebt?“
- Bullet Journal – Für eher visuell denkende Menschen, die ihre Gedanken mit Illustrationen, gezeichneten Wörtern oder Formen ausdrücken möchten
Journaling schafft innere Ordnung.
4. Aufhören, ständig Nachrichten zu konsumieren
Dauerbeschallung lähmt. Doomsrolling tut weh.
Der ständige Konsum von Nachrichten über News-Feeds im Internet, Fernsehen, Radio oder aus der Tageszeitung fördern eher das Gedankenkarussel, anstatt ihm den Stecker zu ziehen.
Finde für dich heraus, welche Nachrichten bei dir eher negative Gefühle hinterlassen. Eigentlich geht es ja um die Information, also um Fakten, nicht um Emotion.
Ich persönlich konsumiere nur geschriebene Nachrichten, weil ich diese besser „unter Kontrolle“ habe.
Bei Videos, Bildern und Gesprochenem kann ich die Geschwindigkeit nicht steuern, mit der die Nachrichten in mein Bewusstsein treten. Dadurch gelangen emotional aufgeladene Botschaften ungefiltert in mein System und regen mich auf.
Frage dich, warum du (jetzt) Nachrichten konsumieren möchtest und wie du die aufgenommenen Informationen nutzen willst. Ist es, weil du mitreden willst? Weil du informiert bleiben willst? Frage dich: Bist du nach dem übermäßigen Konsum von Nachrichten wirklich besser informiert oder nur voll?
Es klingt merkwürdig, aber: bereite dich mental auf den Konsum von Nachrichten vor und bereite die Informationen auf. Übe also Vor- und Nachsorge für den Konsum von Nachrichten.
Setze dir am besten feste Zeiten für den Abruf von Nachrichten (z.B. täglich morgens und abends für fünf Minuten) und halte sie ein. Finde heraus, was dir gut tut.
Sollte einmal etwas wirklich Großes vor sich gehen, dann begrenze die Aufnahme von Nachrichten auf eine von dir festgesetzte Dauer (von der du weißt, dass sie dir noch gut tut). Vermeide das Zappen durch die Kanäle und Medien und das Dauerscrollen auf der Suche nach mehr Information.
Wann immer möglich, informiere dich über die Fakten hinter der Nachricht. Allein dadurch reduzierst du die Aufnahme von Nachrichten beträchtlich oder schränkst sie auf das Wesentliche ein, denn so viel, wie du konsumieren könntest, kannst du vermutlich nicht ohne großen Zeitverlust nachrecherchieren (also verdauen).
5. Sich Unterstützung holen
Therapie, Coaching und Beratung sind hilfreiche Angebote, um sich weiterzuentwickeln und schwierige Lebensphasen zu überwinden.
Diese Angebote in Anspruch zu nehmen bedeutet keine Schwäche, sondern Verantwortungsübernahme für die eigene Gesundheit und die persönliche Zukunft.
Kontakt-Adressen für Psychotherapeuten gibt es auf der Website der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung.
Falls es in deiner Region keine freien Plätze gibt, kannst du andere Angebote nutzen, wie die Jugend-Notmail für Kinder und Jugendliche bis 24 Jahren oder die Telefon-Seelsorge für Menschen jeden Alters.
Selbst, wenn du jetzt noch keine psychologische Hilfe benötigst oder möchtest, kannst du als ersten Schritt die passenden Kontaktdaten abspeichern. So bist du für den Notfall gerüstet und musst nur noch anrufen.
6. Gemeinschaft aufbauen und pflegen
Immer, wenn ich mich in einer Sackgasse befinde und nicht weiterweiß, helfen mir Gespräche mit anderen Menschen.
Es ist wie Magie: Wo ich vorher noch im Kreis rannte, öffnet sich durch ein freundliches Gespräch ein Ausgang, durch den ich nur noch hindurchgehen muss. Und plötzlich ist alles viel klarer.
Dasselbe passiert, wenn wir uns mit anderen Menschen verbünden. Plötzlich sind wir nicht mehr in der Einzelanstrengung, schmoren nicht mehr im eigenen Saft.
Auch wenn die Arbeit und das Leben in Gruppen, Teams und Gemeinschaften nicht immer einfach ist, bietet uns Gemeinschaft eine gewisse Stabilität und Zukunftsperspektiven – etwas, das wir im Gedankenkarussel oft verloren haben.
Wenn du praktisches Handeln und den Austausch mit anderen Menschen verbinden willst, dann schließe dich einer von zahlreichen Transition Town Initiativen, den Pioneers of Change, den Mitmach-Regionen oder anderen lokalen Bewegungen an.
Du kannst:
- mit anderen sprechen (z.B. im Klima-Café)
- Nachbarschaften stärken
- einen Gesprächsabend organisieren
- dich lokalen Gruppen anschließen
- gemeinsam essen und planen
7. Kraft aus der Natur schöpfen
Natur-Begegnungen erinnern uns daran, wofür wir uns einsetzen: für das Eichhörnchen, das um den Baumstamm herumflitzt, den Fischreiher am See, der auf Beute hofft, die Bäume, die uns Schatten spenden.
Unser Nervensystem beruhigt sich im Wald oder wenn wir Tiere beobachten.
Deshalb ist diese Methode auch gut geeignet für Menschen, die bereits am Limit ihrer Kräfte sind.
Probiere aus:
- Regelmäßig in die Natur gehen
- Vögel beobachten
- einen Garten pflegen oder Urban Gardening ausprobieren
- Einen Baum adoptieren
- Auf die Wiese legen und die Natur beobachten
- eine Radtour ins Grüne unternehmen
Nach Naturerlebnissen steigt der Wunsch, sich für die Natur einzusetzen und sie zu erhalten.
Was uns die Natur schenkt ist unverkäuflich und kostet nichts: Frische Luft, das Rauschen von Blättern oder Regen, das Kitzeln von Gras an den Fußsohlen, Beobachtungen und Erlebnisse, die uns in Erinnerung bleiben.
Auch unser Nervensystem ist an natürliche Lebensräume angepasst. Wir sind selbst Natur.
Kein Wunder also, dass uns ein Bad in der Natur mental und körperlich beruhigt, uns erfreut und hoffnungsvoll stimmt.
Natürlich kannst du das auch mit anderen zusammen machen, indem du dich z.B.
- in einem ökologisch geführten Gemeinschaftsgarten engagierst,
- dich Naturschutzgruppen (Bund für Umwelt und Naturschutz, Deutscher Naturschutzring, NABU – Naturschutzbund Deutschland u.a.) anschließt oder
- an Biotoppflege beteiligst
8. Lernen statt Verdrängen
Die Flut an schlechten Nachrichten kann bedrückend sein. Da möchte man sich am liebsten nur noch die Decke über den Kopf ziehen.
Mit Verdrängung und Ablenkung schützt uns unser Nervensystem vor Überforderung.
Nur leider arbeitet das Verdrängte häufig im Hintergrund weiter, wodurch eine unbestimmte Angst, Unruhe oder Traurigkeit entstehen kann.
Ein kraftvoller Gegenpol zur Verdrängung ist das Lernen.
Damit ist nicht gemeint, sich pausenlos alarmierende Nachrichten anzusehen oder ständig anderweitige Informationsquellen zu konsumieren.
Die eigentliche Kraft liegt in
- Neugier, die Zusammenhänge zu verstehen und Hintergründe zu erforschen
- Neue Perspektiven kennenzulernen
- Offenheit gegenüber anderen Meinungen zu zeigen
- Verständnis zu entwickeln, wie gesellschaftlicher Wandel funktioniert
- Zu lernen, wie ökologische Systeme zusammenhängen
- Erfolgreiche Initiativen kennenzulernen, die bereits aktiv sind
Das Wissen um die Zusammenhänge löst zwar keine Krisen, aber es verwandelt die unbestimmte Angst in konkrete Herausforderungen, denen man sich stellen kann.
Einen noch größeren Effekt hat das Lernen in Seminaren, Lesekreisen, Vorträgen oder gemeinsamen Exkursionen. Hier trifft man auf Menschen mit ähnlichen Interressen und schafft Verbindungen, die über das Lernen hinaus in (gemeinsames) Handeln übergehen können.
Aus dem Gefühl, mit den Sorgen alleine zu sein, entsteht dann das Erleben: Wir sind viele.
Jedes Lernen, Verstehen und Begreifen erinnert daran, dass Zukunft nicht einfach geschieht. Zukunft wird von Menschen gestaltet, die sich Herausforderungen stellen, sie verstehen und ins Handeln kommen.
9. Mit dem Körper arbeiten
Wenn Sorgen auftauchen, versuchen wir oft, sie mit dem Kopf zu lösen.
Wir analysieren, lesen Artikel, diskutieren oder suchen nach der einen Information, die uns wieder Sicherheit gibt.
Manchmal, ohne es zu bemerken, setzen sich Sorgen jedoch im Körper fest. Unser Nervensystem reagiert auf Bedrohungen mit uralten Mustern von Kampf, Flucht oder Erstarren.
Gerade Menschen, die sich intensiv mit den Herausforderungen unserer Zeit beschäftigen, kennen das Gefühl, innerlich angespannt, erschöpft oder wie gelähmt zu sein.
Was dann hilft, ist die Erfahrung von Sicherheit im eigenen Körper wiederherzustellen.
Verlagere deine Aufmerksamkeit vom Denken ins Spüren.
Hilfreiche Methoden sind:
- ein Spaziergang in der Natur
- ein paar Minuten bewusstes Atmen
- Yoga
- Tanzen
- Gärtnern
- Wahrnehmen der Füße auf dem Boden
- einfache Bewegungsabläufe wie Gehen, Strecken, Schütteln oder Hüpfen
Das signalisiert dem Nervensystem: Jetzt und hier, in diesem Moment, bin ich sicher.
Veränderungen oder auch die Lösung von Krisen lassen sich nicht in dauerhafter Alarmbereitschaft erzielen.
Wer ständig unter Strom steht, verliert Kerativität, Verbindung und Handlungskraft.
Erst, wenn das Nervensystem wieder etwas Ruhe findet, können wir klar denken, gute Entscheidungen treffen und mit anderen Menschen konstruktiv zusammenarbeiten.
Mit dem Körper zu arbeiten bedeutet, die eigene innere Stabilität zu stärken, um Herausforderungen begegnen zu können.
Jede bewusste Bewegung, jeder tiefe Atemzug und jeder Moment der körperlichen Präsenz bringt uns zurück ins eigene Leben und erinnert uns daran, dass wir mehr sind als unsere Sorgen.
10. Kreativität nutzen
Das Kreisen um Probleme, insbesondere das Analysieren und Zerdenken, schneidet unseren Zugang zu einer wahren Superkraft ab: der Kreativität.
Kreativität ist die Fähigkeit, Neues zu denken, Möglichkeiten zu erkennen und Verbindungen herzustellen, wo vorher keine sichtbar waren.
Genau diese Fähigkeit brauchen wir in Zeiten des Wandels, wenn die alten Lösungen nicht mehr tragen und stattdessen ganz neue Ideen entwickelt werden müssen.
Kreativität hilft auch, die eigenen Gedanken und Gefühle auszudrücken, selbst wenn die Worte dafür fehlen.
Kreative Methoden sind z.B.:
- malen und zeichnen
- modellieren und töpfern
- Gedichte und Geschichten schreiben
- Musik machen und singen
- Theater spielen
- Geschichten erzählen
- Handwerken
- Kochen
- Events organisieren
- Reden halten
Besonders wertvoll ist dabei, dass Kreativität keinen perfekten Plan braucht.
Es beginnt mit Experimentieren und Ausprobieren, mit der Bereitschaft, etwas entstehen zu lassen, ohne das Ergebnis bereits zu kennen.
Auch eine lebenswerte Zukunft wird nicht nach einem fertigen Bauplan entstehen. Sie entwickelt sich durch viele kleine Versuche, Ideen und mutige Schritte.
Nicht zu vergessen: Kreativität macht Freude. Und Freue ist eine Kraftquelle.
Menschen halten Veränderungen und Widerstände langfristig durch, wenn sie immer wieder Erfahrungen machen, durch die sie sich lebendig fühlen.
In kreativen Tätigkeiten richten wir den Blick auf das, was noch entstehen kann. Sie erinnern uns daran, dass Zukunft ein Raum voller Möglichkeiten ist.
Und als Bonus: Jede kreative Schöpfung, wie eine Zeichnung oder ein Musikstück, ist auch eine Einladung an andere Menschen, die Welt zu sehen, wie sie werden könnte.
11. Zukunft gestalten
Die Zukunft zu gestalten holt dich aus dem Krisenmodus, denn du blickst nach vorne statt auf das, was gerade schiefläuft.
Wer sich dauerhaft nur mit Risiken und Problemen beschäftigt, kann den Blick auf eine entscheidende Frage verlieren: Wofür setzen wir uns eigentlich ein?
Manchmal scheint es, als wäre es einfacher, sich den drohenden Weltuntergang oder komplexe Dystopien vorzustellen, als eine „schönere Welt, die unser Herz kennt“ (um Charles Eisenstein zu zitieren).
Sobald sich der Fokus von der Sorge vor der Zukunft auf den Wunsch einer guten Zukunft verlagert, haben wir auch einen Kompass für unser Handeln.
Es muss erst einmal klar sein, wohin die Reise gehen sollen, bevor wir die Etappen dorthin konkret planen können.
Auch der Fokus auf positive Nachrichten (z.B. Good News oder Ökoligenta) kann dazu beitragen, sich eine bessere Zukunft vorzustellen.
In Workshops habe ich das schon oft gesehen: Wenn Menschen mit ihrer Vorstellungskraft, ihren tiefen Wünschen und ihren eigentlichen Bedürfnissen in Kontakt kommen und daraus Bilder einer lebenswerten Zukunft entwickeln, werden ihre Gesichter offener, ihre Augen wacher und oft erscheint ein Lächeln.
Kreativ gestaltete positive Zukunftsbilder können als Grundlage für Diskussionen dienen, um miteinander zu diskutieren und Gedanken weiterzuentwickeln.
Eine Vision, wie Städte (z.B. Berlin, Düsseldorf, München oder Hamburg) einmal aussehen könnten, hat Reinventing Socienty mit Zukunftsbilder 2045 geschaffen. In dem Bildband findest du detaillreiche Grafiken und positive Geschichten zur städtischen Zukunft im Jahr 2045.
Die Kraft und Motivation, die durch positive Zukunftsaussichten entsteht, ermöglicht die Planung, wie aus der Vorstellungswelt Realität werden kann.
Es fördert Klarheit und justiert den Kompass auf diese erdachte, freudvolle Zukunft.
Stell dir eine Zukunft vor mit …
- Gemeinschaftsgärten
- Foodsharing
- Lastenrädern
- Balkonkraftwerken
- Tauschkreisen
- Gemeinschaftsküchen
- Spielstraßen
- Sauberer Luft
- Kürzeren Arbeitszeiten und somit mehr Freizeit
- Kühlen Aufenthaltsmöglichkeiten (während ich das schreibe sind 40 Grad 🥵)
Die Methode des Dragon Dreaming lädt dazu ein, individuelle Träume zu teilen, daraus kollektive Träume zu weben und gemeinsam auf deren Erfüllung hinzuarbeiten.
Wie wäre es, gleich heute mit der Familie, Freunden, Nachbarn oder Kollegen einen „Ausflug“ in die Zukunft zu machen und gemeinsam eine Welt zu gestalten, in der ihr gerne leben wollt?
Buchtipp 1: „Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich“ von Charles Eisenstein
Buchtipp 2: „Jamilanda – Der Zauber einer ökoligenten Wandeloase“ von Alander Baltosée
12. Gelassenheit kultivieren
„Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Dieser Satz ist bekannt aus der Tradition der Anonymen Alkoholiker und geht auf den US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zurück.
Gerade in Zeiten, in denen die Welt sich schnell, unübersichtlich und überfordernd anfühlt, kann dieser Satz ein innerer Anker sein.
Gelassenheit bedeutet dabei nicht Gleichgültigkeit. Sie ist kein Rückzug aus der Welt und kein Verdrängen von Verantwortung.
Vielmehr beschreibt Gelassenheit die Fähigkeit, innerlich einen Schritt zurückzutreten, wenn alles gleichzeitig zu viel wird.
In der Arbeit mit Menschen im Wandel zeigt sich immer wieder: Wer zwischen dem, was beeinflussbar ist, und dem, was sich der eigenen Kontrolle entzieht, unterscheiden lernt, gewinnt Handlungsspielräume zurück.
Gerade in der Klimakrise oder in gesellschaftlichen Umbruchprozessen ist diese Unterscheidung enorm wichtig. Ohne sie entsteht schnell ein Gefühl permanenter Überforderung – als müsste alles sofort gelöst werden, obwohl einzelne Menschen nur begrenzt Einfluss haben.
Gelassenheit erlaubt, präsent zu bleiben, ohne sich in Alarmzuständen zu verlieren.
Hilfreich sind hier Atemübungen und andere Körperwahrnehmungsübungen sowie die Reflexion der eigenen Gedanken.
Thomas Hohensee beschreibt die Kunst der Gelassenheit praxisnah und alltagsorientiert in seinem Buch „Gelassenheit beginnt im Kopf – So entwickeln Sie einen entpannten Lebensstil“. Die Kernaussage im Buch: „Nicht die Dinge beunruhigen uns, sondern die Gedanken, die wir uns darüber machen.“ Ein absoluter Lese-Tipp und auch in der Bibliothek erhältlich.
Gelassenheit geht auch mit Klarheit einher: Wenn der innere Lärm leiser wird, treten Handlungsmöglichkeiten stärker in den Vordergrund. Es wird somit klarer, wo es sinnvoller ist, Kräfte zu bündeln, Geduld zu entwickeln oder Verantwortung zu teilen.
So wird Gelassenheit zu einer Möglichkeit für wirksames Handeln.
Die Erkenntnis: Die Grenzen des Machbaren haben sich verengt und verschoben, aber innerhalb dieser Grenzen können wir immer noch wirksam sein.
13. Erfolge feiern
Wann hast du zuletzt einen Erfolg gefeiert?
Sei es deinen eigenen wichtigen Schritt in einem Projekt oder die Weiterentwicklung im Leben eines Familienmitglieds, von Kollegen oder Freunden?
Im Alltag sind wir häufig so getrieben, dass uns die Zeit zum Feiern fehlt.
Doch die eigene Wirksamkeit wahrzunehmen, verstärkt unsere Fähigkeit und auch unseren Willen weiterhin wirksam zu sein.
Feiern von Erfolgen ist aus folgenden Gründen wichtig:
- Feiern ist Wertschätzung für unseren Einsatz, so dass wir uns nicht eines Tages fragen müssen, wofür wir das alles machen
- Feiern markiert den Übergang zur nächsten Aufgabe und setzt eine absichtliche Pause, in der wir reflektieren, nachspüren und uns sammeln können
- Wir tanken beim Feiern die Kraft für die nächste Etappe – Feiern füllt unseren Akku wieder auf
- Beim Feiern verbinden wir uns mit Menschen und stärken unsere Gemeinschaften
- Feiern ist Leben zwischen all den Aufgaben, die es zu tun gibt
Wenn das Feiern ausfällt, fehlt die Atempause zwischen den Aufgaben, die uns Kraft schenkt.
Dann müssen wir umso mehr Atemübungen machen 😉
14. Dankbarkeit praktizieren
In indigenen Kulturen spielt Dankbarkeit eine zentrale Rolle im Verhältnis zwischen Mensch und Welt. Sie entspricht dabei einer Haltung des Eingebundenseins: Die Natur wird als lebendiges Gegenüber wahrgenommen, dem man mit Respekt, Achtsamkeit und Dank begegnet.
Mit der „Ehrenvollen Ernte“, wie sie Robin Wall Kimmerer in ihrem Buch „Geflochtenes Süßgras“ beschreibt, wird Dankbarkeit ausgesprochen, bevor und nachdem etwas genommen wird – als bewusste Erinnerung daran, dass Leben kostbar ist und immer auf Gegenseitigkeit beruht.
Dankbarkeit ist eine der einfachsten und zugleich tiefgreifendsten Praktiken, um aus Angst, Mangeldenken und innerer Erschöpfung herauszutreten und wieder in Verbindung mit dem Leben zu kommen.
Bei Dankbarkeitsritualen oder der Journaling-Methode des Dankbarkeitstagebuchs richtet sich der Blick bewusst auf das, was bereits da ist und trägt, nährt und Freude bereitet. Auch oder gerade inmitten von Unsicherheit ein wertvolles Werkzeug für Kraft im Leben.
15. Freude, lachen und albern sein
In Wandel- und Krisengesprächen klingt immer alles sehr ernst und dringend.
Was wir in regelmäßigen Abständen oder ganz überraschend tun sollten: Quatsch machen.
Freude ist schließlich kein Luxus und schon gar kein Verrat an der Weltlage. Sie ist tatsächlich eine biologische Notwendigkeit, um das Nervensystem zu beruhigen und zu entspannen.
Mit Freude wird alles leichter und dann zeigen sich uns auch wieder neue Möglichkeiten.
Die Arbeit am Systemwandel macht mit Freude auch viel mehr Spaß … okay, das war jetzt doppelt-gemoppelt – stimmt aber trotzdem 😂.
Mit den Worten des Begründers der Transition Town Bewegung, Rob Hopkins, zu sprechen: „Es könnte fantastisch werden!“ – Ein Satz, der mich persönlich seit dem Beginn meiner Reise im Klimaschutz begleitet.
Meine Romane und Blog-Artikel schreibe ich mit Fokus auf das Positive, Erstrebenswerte, Schöne.
Wenn dir aber gerade gar nicht zum Lachen zumute ist, dann könnten folgende Methoden helfen:
- Grimassen schneiden oder breit grinsen (die Empfindung folgt dem Körper)
- in der Küche tanzen
- einen Song schief mitsingen
- wie ein*e Nachrichtensprecher*in oder Sportkommentator*in reden und dabei deine Handgriffe beim Abwaschen, Wäsche aufhängen oder Staubsaugen kommentieren
- Tieren oder Gegenständen eine Stimme geben
- Wörter so oft wiederholen, bis sie sich seltsam und komisch anhören
- hüpfen statt gehen
- anfangen zu kichern oder zu lachen, als „Startsignal“ bis der Körper folgt
- merkwürdige Laute erzeugen oder schief summen, brummen und quietschen (mein persönlicher Favorit 🤭)
- was Lustiges spielen
16. Zukunftskompetenzen aufbauen
Die Welt scheint sich immer schneller zu verändern, Gewissheiten bröckeln und Entwicklungen verlaufen oft anders als erwartet.
Lange wurde diese Situation mit dem Begriff VUCA beschrieben: eine Welt, die von Volatilität bzw. Schwankungen (Volatility), Unsicherheit (Uncertainty), Komplexität (Complexity) und Mehrdeutigkeit (Ambiguity) geprägt ist.
In den letzten Jahren hat sich jedoch zunehmend ein neuer Begriff etabliert: BANI (vom Zukunftsforscher Jamais Cascio). Er beschreibt unsere Zeit als brüchig (Brittle), angstgeladen (Anxious), nicht-linear (Non-linear) und oft unverständlich (Incomprehensible).
Die gute Nachricht lautet: Auch wenn wir die Zukunft nicht kontrollieren können, können wir Fähigkeiten entwickeln, die uns helfen, mit ihr umzugehen.
Zukunftskompetenzen sind nicht nur beruflich wertvoll. Sie stärken unsere Handlungsfähigkeit, unsere Zuversicht und unsere Fähigkeit, mit anderen in Verbindung zu bleiben.
Besonders hilfreich sind:
- Resilienz – die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und nach Rückschlägen wieder aufzustehen
- Umgang mit Unsicherheit – Entscheidungen treffen zu können, obwohl nicht alle Informationen vorliegen
- Selbstwirksamkeit – die Erfahrung, dass das eigene Handeln einen Unterschied machen kann
- Kooperationsfähigkeit – gemeinsam Lösungen entwickeln statt allein mit Problemen zu kämpfen
- Empathie und Beziehungsfähigkeit – Verbindung schaffen in einer Zeit zunehmender Polarisierung
- Systemisches Denken – Zusammenhänge erkennen statt nur einzelne Symptome zu betrachten
- Kreativität – neue Möglichkeiten und unerwartete Lösungen entwickeln
- Lernfähigkeit – neugierig bleiben und sich auf neue Situationen einstellen können
- Perspektivwechsel – die Welt auch durch die Augen anderer Menschen betrachten
- Emotionale Kompetenz – Gefühle wahrnehmen, verstehen und konstruktiv mit ihnen umgehen
- Achtsamkeit und Selbstfürsorge – die eigenen Kräfte bewusst wahrnehmen und schützen
- Zukunftsdenken – positive Zukunftsbilder entwickeln und sich von ihnen leiten lassen
- Mut zum Experimentieren – kleine Schritte wagen, ohne auf perfekte Bedingungen zu warten
Das Schöne an diesen Kompetenzen ist: Man muss sie nicht erst vollständig beherrschen. Sie wachsen durch Übung. Jedes Mal, wenn wir trotz Unsicherheit handeln, Hilfe annehmen, Neues lernen oder uns mit anderen verbinden, trainieren wir sie.
Je mehr Zukunftskompetenzen wir aufbauen, desto weniger fühlen wir uns den Veränderungen ausgeliefert – und desto mehr werden wir zu aktiven Mitgestalterinnen und Mitgestaltern dessen, was kommt.
17. Inner Work
Viele Menschen, die sich für gesellschaftlichen oder ökologischen Wandel engagieren, konzentrieren sich verständlicherweise auf die äußeren Herausforderungen: Klimakrise, Artensterben, soziale Ungleichheit, politische Spannungen oder wirtschaftliche Unsicherheiten.
Doch die Probleme, vor denen wir stehen, sind nicht nur technischer oder politischer Natur. Sie haben auch mit unserer Art zu denken, zu fühlen, wahrzunehmen und miteinander umzugehen zu tun.
Genau hier setzen die Inner Development Goals (IDGs) an. Sie wurden als Ergänzung zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen entwickelt und stellen eine einfache, aber tiefgreifende Frage: Welche inneren Fähigkeiten brauchen wir, um die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen?
Die Grundidee: Äußere Transformation braucht innere Entwicklung.
Denn viele der Gefühle, die Menschen in der Wandelbewegung belasten – Angst, Ohnmacht, Überforderung, Resignation oder Isolation – lassen sich nicht allein durch mehr Wissen oder bessere Strategien auflösen.
Sie verlangen nach Fähigkeiten, die uns helfen, mit Unsicherheit umzugehen, mit anderen in Verbindung zu sein und auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.
Die Inner Development Goals bündeln solche Fähigkeiten in fünf Entwicklungsfeldern:
- Sein (Being) – eine stabile innere Beziehung zu sich selbst entwickeln, etwa durch Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit und Integrität
- Denken (Thinking) – Komplexität verstehen, Perspektiven wechseln und langfristig denken können
- Beziehung (Relating) – Mitgefühl, Verbundenheit und die Fähigkeit stärken, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen
- Zusammenarbeit (Collaborating) – gemeinsam handeln, unterschiedliche Sichtweisen integrieren und Konflikte konstruktiv gestalten
- Handeln (Acting) – Mut entwickeln, Verantwortung übernehmen und auch unter unsicheren Bedingungen ins Tun kommen
Bemerkenswert ist, dass die IDGs nicht davon ausgehen, dass wir erst „bessere Menschen“ werden müssen, bevor wir etwas bewirken können.
Sie verstehen Entwicklung als lebenslangen Lernweg, genauso wie unsere Zukunftsfähigkeiten. Jede schwierige Situation wird zu einer Gelegenheit, diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Wer beispielsweise lernt, die eigene Angst wahrzunehmen, ohne von ihr überwältigt zu werden, stärkt seine Selbstführung. Wer trotz unterschiedlicher Meinungen im Gespräch bleibt, entwickelt Beziehungs- und Kooperationsfähigkeit. Wer den Mut findet, einen ersten kleinen Schritt zu gehen, trainiert Handlungsfähigkeit.
Somit können äußere Krisen als Entwicklungsaufgaben gesehen werden, weil sie uns herausfordern, Fähigkeiten zu entfalten, die in einer komplexen Welt immer wichtiger werden.
Dort, wo Menschen ihre inneren Fähigkeiten kultivieren, entsteht Hoffnung.
Denn wir werden zu Menschen, die eine lebenswerte Zukunft gestalten können.
In allem schwingt die Frage mit: „Welche Menschen müssen wir werden, damit eine andere Welt möglich wird?“
18. Jeden Tag einen kleinen Schritt gehen
Babysteps, immer nur Babysteps!
Uns mag das Tempo beim Systemwandel zu langsam erscheinen.
Manchmal geht es sogar wieder rückwärts.
Doch schnell voranzuschreiten kann dazu führen, dass wir wichtige Dinge übersehen, andere Menschen und uns selbst überfordern oder mit unserem Veränderungsdrang sogar Schaden anrichten.
Ein Buddhistisches Sprichwort sagt: „Wenn du es eilig hast, geh langsam.“
Das gilt selbst in der Klimakrise mit ihrem sich schließenden Zeitfenster.
Bewegen wir uns langsam, können wir die Auswirkungen unseres Handelns eher bemerken und nachjustieren, so dass echte Lösungen entstehen, Ergebnisse nachhaltig sind und niemand Schaden nimmt.
Auch im Permakultur-Prinzip #9 „Nutze kleine und langsame Lösungen“ fasst David Holmgren zusammen, dass die in natürlichen und menschlichen Systemen verfügbare Energie entweder eine große Masse langsam bewegen kann oder aber eine kleine Masse schnell. Beides geht nicht!
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz verleitet uns dazu, schnell mal eben … und gleichzeitig noch … zu erledigen. Dabei geht uns aber die notwendige Tiefe verloren und wir können mit unserem natürlichen Bewusstsein und Leben nicht mehr folgen.
Lass dich nicht hetzen! Die Dinge brauchen ihre Zeit. Ganz besonders der Systemwandel!
Deine eigenen Methoden
Natürlich sind die genannten Methoden nur eine Auswahl.
Jede und jeder entwickelt im Laufe der Zeit eigene Bewältigungsstrategien, um sinnvoll mit Angst, Ohnmacht, Trauer und Isolation umzugehen.
Gibt es eine Gewohnheit, ein Ritual, eine Frage, eine Haltung oder ganz praktische Übung, die dir hilft, wieder Zuversicht zu finden und ins Handeln zu kommen? Etwas, das dich beruhigt, wenn es im Außen stürmisch ist?
Ich würde mich freuen, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren teilst – für alle, die diesen Artikel lesen.
Du signalisierst damit: wir sind mit unseren Herausforderungen nicht allein und finden Wege, die auch anderen helfen können.
Welche der genannten Methoden oder deiner eigenen helfen dir am besten?
Ich bin gespannt auf deine Ideen.
Titelbild: Ands Mahardika – Unsplash