Menu Home

„Peace of Land“ – Ein letzter Sommer noch

Aus dringendem Anlass starte ich hier einen Aufruf zur Solidarität mit einem Ort, den es so kein zweites Mal gibt.

Der Ort trug den Namen „Stückchen Eden“ und war wirklich paradiesisch. Rotkehlchen, Amseln und Meisen zwitscherten ihre Liedchen, Wildbienen und andere Insekten summten in der Luft. Zwei Schmetterlinge zirkelten werbend umeinander herum, nur einen Meter von ihnen entfernt. Viele verschiedenartige Beete breiteten sich zu ihren Füßen aus. Darauf wuchsen Gemüsepflanzen, Kräuter und wilde Blumen. Sowohl die menschlichen Bedürfnisse wurden hier erfüllt als auch die der Bienen und Käfer.

„Die Systemwandler“ von Isabel Batista

In „Die Systemwandler“ habe ich den Ort als „Stückchen Eden“ bezeichnet. Eigentlich rede ich jedoch vom „Peace of Land“, einem Gemeinschaftsgarten, der tatsächlich existiert; im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg.

Im Vordergrund der Marktgarten des "Peace of Land". Im Hintergrund das kleine Gewächshaus auf dem Grundstück.
Marktgarten und Gewächshaus des „Peace of Land“

Seit 2016 wird auf dem etwa 4000 m2 großen Areal gegärtnert, gebaut und gelehrt. Zahlreiche Seminare zu ökologischem Bauen, Permakultur, gewaltfreier Kommunikation und vielen weiteren Themen des sozial-ökologischen Wandels fanden hier schon inmitten bunter Natur statt.

Hier finden sich vielfältige Gemüse-Beete, Sträucher und Bäume, ein kleiner Waldgarten, ein Teichsystem, ein Folientunnel für Tomaten und Gurken, ein kleines Gewächshaus, ein Stück für Stück hergerichtetes Seminarhaus mit SoLaWi-Depot und offener Küche sowie zahlreiche Hochbeete und ein Lehmofen.

Recherchen für „Die Systemwandler“

Für die Recherchen zu meinem Buch war ich 2019 auf der Suche nach Praxisbeispielen für Permakultur-Gärten und fand diese Oase nahe der Landsberger Allee in Berlin.

Die Gemeinschaft von Gärtnern und Umweltaktivisten nahm mich freundlich auf und beteiligte mich an zahlreichen Aufgaben im Gemüsegarten: verschiedene Pflanzen setzen, im Gewächshaus die Physalis mit Zwiebelsud von Spinnmilben befreien, im Folientunnel die Tomaten gießen, Bohnen ernten und Kompost sieben.

In den Pausen saß ich umgeben von summenden Bienen und zwitschernden Vögeln in der Sonne im Gras und unterhielt mich mit Mitgärtnern über diesen schönen Ort und seine Entstehungsgeschichte.

Doch jetzt ist alles aus.

Die letzte Saison

Das Gelände war ursprünglich für eine Zwischennutzung zur Verfügung gestellt und an die Aktivisten verpachtet worden. Es gab keinen langfristigen Mietvertrag oder gar die Möglichkeit, diesen Ort zu erwerben. Es war ein Paradies auf Zeit.

Anfang diesen Jahres wurde nun klar: 2022 wird die letzte Saison des „Peace of Land“ an diesem Standort sein.

Am 2. Juli wird noch ein letztes Mal das traditionelle Sommerfest mit zahlreichen Natur-Attraktionen und Workshops stattfinden, zu dem alle eingeladen sind, die sich noch an der schönen Pracht des Ortes erfreuen wollen.

Ein Besuch im „Peace of Land“ ist der Geheimtip für diesen Sommer, weil es das letzte Jahr sein wird, in dem der Gemeinschaftsgarten das üppige Leben für alle erlebbar macht.

Bläuling-Schmetterlin im Gras des Permakulturgartens "Peace of Land", 2019
Bläuling-Schmetterling im „Peace of Land“, 2019

Ab 2023 werden Gemüsebeete, die Bäume im jungen Waldgarten, der Teich, das Seminarhaus und alles vielfältige unter- und überirdische Leben unter Beton verschwinden, denn an dieser Stelle soll eine dringend benötigte Turnhalle für die nahe gelegene Schule entstehen.

Dieses Beispiel zeigt, dass unsere menschlichen Bedürfnisse vielfach noch mit der Natur in Konkurrenz stehen. Ich habe absolutes Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder, die eine solide Turnhalle für ihren Sportunterricht benötigen.

Es wäre jedoch schön gewesen, wenn die Suche nach Alternativen intensiver verfolgt worden wäre.

Das „Peace of Land“ und die Menschen, die es aufgebaut haben, müssen nun weichen, noch im Unklaren darüber, ob und an welchem Ort sie den Gemeinschaftsgarten wieder aufbauen können.

Trotz aller Rückschläge bleibt das große Ziel bestehen: Irgendwo wird es weitergehen.

Aufruf zur Unterstützung

Neben der Trauer um den Verlust eines geliebten Ortes, den sie mit Leidenschaft aufgebaut und gepflegt haben, müssen sich die Gärtner*innen und Lehrenden des Permakultur-Ortes nun auch um sehr praktische Probleme und Fragen kümmern.

Ganz besonders brennt die Frage, wo der Gemeinschaftsgarten wieder aufgebaut werden kann. Für Informationen über die anvisierte Traumfläche hat der Vorstand des Lernortes eine Infomappe angelegt, die ihr hier einsehen könnt.

Es wäre wundervoll, wenn das „Peace of Land“ in den letzten Monaten seines Bestehens Hilfe und Solidarität von vielen Menschen erhalten würde. Es hat so viele Jahre als grüne Oase und Lernort den Wandel vorangebracht und Freude und Wissen verbreitet.

Wer beim Umzug von Pflanzen und Mobiliar mithelfen möchte, sollte sich unbedingt in die Newsletter-Liste des Peace of Land eintragen.

Im Buch verewigt

Da ich den Permakulturgarten selbst kennenlernen durfte, fühle ich ebenfalls Trauer über den Verlust. Das „Peace of Land“ hinterließ bei mir einen so schönen Eindruck, dass ich es als „Stückchen Eden“ mit in meine Geschichte aufnahm. Darin zumindest bleibt der Ort unvergänglich.

Dasselbe hätte ich mir für sein reales Pendant sehr gewünscht. Auch mein Herz hängt an diesem Ort. Ich finde es unendlich schade, dass es keine Möglichkeit zum Erhalt des jetzigen „Peace of Land“ gibt.

Neben all den trüben Gedanken beeindruckt der Wille zum Durchhalten, den die Menschen vom „Peace of Land“ aufbringen. Sie geben nicht auf und zeigen eindrucksvoll, wie wichtig die Arbeit am Wandel auch bei herben Rückschlägen bleibt.

Ich wünsche allen Beteiligten, Gärtner*innen, Aktivist*innen, Besucher*innen , Lehrer*innen und Schüler*innen alles Gute für die Zukunft und für den Wiederaufbau des „Peace of Land“ an einem anderen Ort der Stadt.

Danke für Euer Wirken!

Bevor Du gehst: Trage Dich doch noch für meinen Newsletter ein! Er wird einmal wöchentlich verschickt und enthält abwechslungsreiche Informationen zum sozial-ökologischen Wandel und Neuigkeiten zu meinen Büchern.

Hier geht’s zur

Categories: Gemeinschaftsgarten Permakultur

Tagged as:

Isa von "Die Systemwandler"

Autorin des Blogs auf "Die Systemwandler" sowie der gleichnamigen Buchreihe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

neun + 17 =